Zuhause auf Zeit – wie Business-Nomaden wohnen wollen

Geschäftsreisende sind ständig auf Achse und selten daheim. In „Serviced Apartments“ können sie sich trotzdem zuhause fühlen.

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Abbildung: oneView 02/2016, erschienen im Alsterspree Verlag GmbH

Abbildung: oneView 02/2016, erschienen im Alsterspree Verlag GmbH

Das edle schwarze Leichtmetallfahrrad wiegt kaum 7.000 Gramm, der Triathlon-Lenker verrät den ambitionierten Sportler und Ästheten. Zwei Stunden Training liegen an diesem Abend hinter Carsten Winter (49), IT-Consultant aus Berlin. Nachdem er vor einigen Jahren sein eigenes Unternehmen verkauft hat, berät er große Kunden in IT-Fragen. Bis vor Kurzem war er für einen Touristikanbieter in Frankfurt tätig, jetzt hat ihn ein großer Versicherer in München engagiert. Für das kommende Jahr hat ihn ein Logistikunternehmen in Hamburg angefragt. „Mir gefällt das Nomadendasein. Natürlich habe ich ein kleines Zuhause in Berlin, wo ich ein bisschen Hab und Gut angesammelt habe. Aber die meiste Zeit lebe und arbeite ich in einer neuen Umgebung.“ Wenigstens das Fahrrad ist immer dabei, wenn er den Berufsort wechselt.

Als er in Frankfurt war, konnte er nur ein ungemütliches Hotelzimmer zur Langzeitmiete finden. In München wohnt Carsten in einer Business-WG. Doch damit soll beim nächsten Ortwechsel Schluss sein. Er möchte nicht mehr ständig ohne wenigstens ein paar persönliche Dinge und auch mit mehr Komfort leben. „So etwas heimisch möchte ich mich während der bis zu sechs Monate dauernden Jobstationen doch fühlen, und ein wenig Service vor Ort wäre auch nicht schlecht“, bemerkt er, während er sich die Website eines neuartigen Apartmenthauses anschaut. Neben der meist zentralen Lage wird mit besonderer Ausstattung gepunktet.

 

AUS ALT MACH NEU

Mit dem Fahrrad macht sich Casten Winter am folgenden Wochenende auf den Weg in die Münchener Ludwigsvorstadt. Unweit der Altstadt fährt er vorbei an Geschäften, Restaurants und Cafés in die Schillerstraße. Sein Ziel ist ein Gebäudekomplex, in dem seit 2012 insgesamt 203 teilmöblierte Apartments mit exklusiver Ausstattung unter dem Label APP.ARTMENTS der ISARIA Wohnbau AG angeboten werden. Fußläufig vom Hauptbahnhof zu erreichen, ist aus der 70er-Jahre-Büroimmobilie ein hochwertiges Wohnobjekt entstanden. In den 20 bis 94 Quadratmeter großen Wohnungen ist für vieles gesorgt, was für den schnellen Einzug wichtig ist. Sie sind modern und geschmackvoll teilmöbliert, Einbauküche und hochwertiges Bad sind selbstverständlich. Sie liegen zentral, aber ruhig und bieten so einen angenehmen Rückzugsort. Mit wenig zusätzlichem Aufwand ist man angekommen. Komfort ist gerade für Menschen mit ständig wechselndem Arbeitsort wichtig. „Manchmal fühle ich mich wie ein Obdachloser ohne richtiges Zuhause. Je älter ich werde, desto mehr vermisse ich eigene vier Wände. Dann muss wenigstens für alle meine Bedürfnisse gesorgt sein“, reflektiert Carsten Winter.

 

„Etwas heimisch möchte ich mich während der bis zu sechs Monate dauernden Jobstationen doch fühlen.“

 

Das APP.ARTMENTS-Projekt in der Schillerstraße entspricht in einigen Eckdaten genau dem Anspruch vieler Lebensund Arbeitsentwürfe der modernen Großstadtgesellschaft. Eine Mietdauer unter sechs Monaten ist aber nicht möglich und ein eigenes Bett muss man noch mitbringen. Ebenfalls zum ISARIA-eigenen Label APP.ARTMENTS gehört das ehemalige Bürogebäude in der Vogelweidestraße. Hier sind 20 bis 90 Quadratmeter große Wohnungen mit Terrassen, Balkonen oder Wintergärten entstanden. Inklusive Designermöbeln wurden sie komplett bezugsfertig übergeben - allerdings an die neuen Eigentümer, kurze Mietverhältnisse gehören hier nicht zum Konzept.

Carsten Winter ist beeindruckt vom Angebot in der Schillerstraße, aber wünscht sich für seinen Lebensstil doch eher Full- Service. „Ein eigenes Apartment mit flexiblen Mietbedingungen auch unter sechs Monaten und vollem Hotelservice wäre das, was ich mir für mich wünsche. Aparthotel oder Einzelzimmer sind mir zu unpersönlich, zu viel Hotel.“

 

SERVICED APARTMENTS VOLL IM TREND

Die sogenannten Serviced Apartments, die den Wohn- und Service-Komfort noch ein Stück weiter erhöhen, sind für Menschen wie Carsten Winter konzipiert. Diese Wohnform für Business-Nomaden wird in deutschen Großstädten und auch im Ausland zunehmend nachgefragt.

Business-Nomaden sind durch einen hohen Anspruch an Flexibilität und Mobilität gekennzeichnet. Weiterkommen, flexibel sein, mobil bleiben. Die digitalen Technologien unterstützen zudem die Möglichkeit, überall arbeiten zu können. Der Designer und Ingenieur Eckhard Gransow beschreibt moderne Nomaden in seinem Beitrag im Buch „Standards der Zukunft – Wohnbau neu gedacht“ als Menschen, die stets auf Achse und privat und beruflich stark in Netzwerke eingebunden sind. Sie leben jedoch als Single oder nur zeitweise mit der Familie. Sie gelten als Trendsetter, junge Elite, sind Multimedia-begeistert und leben bevorzugt zentral oder an Transit- oder Verkehrsknoten. Sie wünschen sich urban gelegenen Wohnraum, der stylish-modern und funktional ist. Die räumliche Verschmelzung von Wohnen, Schlafen, Essen und Baden steht auf der Wunschliste ganz oben.

 

HARTE FAKTEN

Die Studie „Serviced Apartments 2016“ der Georg Consulting zeigt, dass der deutsche Markt noch durch das Konzept des klassischen Apartmenthauses, also möbliert, aber ohne Service-Elemente, mit einem Anteil von bisher fast 50 Prozent am Gesamtangebot geprägt ist. Doch moderne Serviced Apartments werden immer beliebter, auch weil die Aufenthaltsdauer sich verlängert hat und das individuelle Serviceangebot stärker nachgefragt wird.

Mitarbeiter von Beratungsunternehmen sind mit die wichtigsten Kunden im Geschäftsfeld. Hier halten sich mittlerweile 61 Prozent aufgrund temporärer Beratungsprojekte häufig länger als einen Monat in einer Stadt auf. Auch innerhalb der Kundengruppe der Messe- und Kongressbesucher sind es über 60 Prozent, die Serviced Apartments einen Monat und mehr nutzen. Je länger der Aufenthalt, umso mehr steigt das Bedürfnis, wie in „eigenen vier Wänden“ zu leben.

Die Studie Real Estate Special Serviced Apartments der Nord/LB zeigt zudem, dass ein auf diese Zielgruppen zugeschnittenes Konzept dann hohe Erfolgsaussichten hat, wenn es wesentliche Faktoren berücksichtigt. Das ist die Flexibilität, vor allem in den Bereichen Komfort und Service, Unabhängigkeit und Selbstversorgung sowie eine nach Verweildauer gestaffelte Preisgestaltung.

Je nach Konzeptvariante gelten für Serviced Apartments unterschiedliche Standortkriterien. Als Standortvorteil für Apartmenthotels gilt in Großstädten mit mehr als 500.000 Einwohnern in der Regel die innerstädtische Lage beziehungsweise die gute Anbindung.

Die von der ISARIA zukünftig angebotenen Serviced Apartments berücksichtigen die Wünsche der Business-Nomaden in vielerlei Hinsicht.

 

KEIN LEICHTER EINSTIEG

Die Studie der Georg Consulting prognostiziert zudem, dass das Angebot bis 2018 um rund 30 Prozent wachsen wird. Das bedeutet, Serviced Apartments wie etwa das Objekt „Kapstadtring 1“ in Hamburg sind aktuell bei Bauunternehmen und Projektentwicklern ein wichtiges Thema, denn hier schlummert interessantes Potenzial. Neben der Expansion bestehender Marken treten aktuell neue Projektentwickler in den recht jungen Markt für Serviced Apartments ein. Für die nächsten vier Jahre sind rund 5.500
zusätzliche Einheiten geplant.

Dabei ist dieses neue Geschäftsfeld nicht leicht zu bearbeiten. Für Projektentwickler ist es oftmals erst nach jahrelangen Verhandlungen möglich, eine solche Umwandlung durchzuführen. Der Hamburger Architekt Carsten Venus sieht zudem hausgemachte Probleme. „Die Struktur der Immobilienwirtschaft passt nicht für die Umwandlung von Gewerbe- in Wohnimmobilien“, sagt der Hamburger Umbauspezialist, der an einer bundesweiten Studie zum Thema mitgearbeitet hat. „Die Immobiliengesellschaften sind meist einseitig auf Gewerbe ausgerichtet und wollen mit Endverbrauchern nichts zu tun haben.“

Um einen Umbau voranzutreiben, muss daher meist ein Wechsel zu einem Eigentümer stattfinden, der dann das Projekt entwickelt. Wegen der fünf Jahre währenden Gewährleistungspflicht scheuen aber viele dieses klassische Bauträgergeschäft mit Altimmobilien.“

 

VORZEIGEOBJEKT KAPSTADTRING

Die ISARIA Wohnbau AG scheut diese Herausforderungen nicht. In Hamburg-City Nord tritt die ISARIA mit einem besonderen Projekt nun auch erstmals als Projektentwickler und Betreiber von Serviced Apartments in Erscheinung. Der Masterplan für die City Nord sieht vor, dass sich die Bautätigkeit auf den Bereich Wohnen fokussiert. Teil davon ist das zwölfgeschossige Gebäude der ISARIA Wohnbau AG am Kapstadtring. Das denkmalgeschützte Haus in besonderer 60er-Jahre-Architektur wird 50 Jahre nach dem Einzug des ersten Eigentümers revitalisiert. Hier entstehen Serviced Apartments zwischen 25 und 60 Quadratmetern für alle Ansprüche moderner Business-Nomaden.

Die anspruchsvolle zukünftige Klientel findet moderne Apartments in grüner Lage am Stadtpark mit unmittelbarer Anbindung an die S-Bahn, nur zehn Autominuten vom Flughafen entfernt. Auch das gesamte Umfeld entwickelt sich immer mehr zu einem belebten urbanen Viertel.

Die Ausstattung der Wohnungen entspricht höchstem Standard und bietet Funktionalität. Offene Küche mit Induktionskochherd, bodengleiche Duschen und hochwertige Möbel im klassisch-gediegenen 60er-Retro-Design sollen dem Gast helfen, sich schnell heimisch zu fühlen. Zudem wird mit einer umfassenden technischen Ausstattung gepunktet. Der zukünftige Gast wird nach den derzeitigen Plänen eine Vielzahl an digitalen Steuerungsmöglichkeiten vorfinden, die ein „smartes“ Wohnen ermöglichen. Nach dem Eintritt vorbei am Concierge und dem Betreten des Apartments via Scan liegt für die Steuerung der Wohnungselektrik in jeder Wohnung ein Tablet-PC bereit. Ein individuelles WLAN bietet zudem die notwendige Sicherheit für ungestörtes Arbeiten.

Zudem sind Carsharing-Angebote vor der Haustür buchbar und alle denkbaren Hotelservices werden vom gegenüberliegenden Holiday-Inn angeboten. So kann sich jeder Gast individuelle Dienstleistungen buchen: vom Wäscheservice bis zum romantischen Dinner zu Hause.

 

„Für 2017 erwarten wir 20 Prozent Wachstum im Gesamtmarkt Deutschland.“

 

Nach Schätzung des Berliner Beratungsund Marktanalysehauses Boardinghouse Consulting stehen in Deutschland rund 23.600 Serviced Apartments für Gäste zur Verfügung. Das Potenzial für weitere Projekte dieser Art ist enorm. „Für 2017 erwarten wir 20 Prozent Wachstum im Gesamtmarkt Deutschland“, sagt Boardinghouse-Geschäftsführerin Anett Gregorius.

Weitere Potenziale haben aber nicht nur die Metropolen und Messestädte und nicht ausschließlich hochpreisige Projekte in zentraler Lage. Der Marktreport 2016 von Georg Consulting sieht durchaus auch budgetorientierte Produkte als neuen Trend im Segment: Stark gefragt sind günstige Raten für ein ansprechendes, modernes Serviced Apartment mit guter Anbindung.

Regional betrachtet schwankt der Anteil von Übernachtungen in Serviced Apartments an den gesamten Übernachtungen in den ausgewählten Städten deutlich. Demnach erreicht München mit knapp 1,5 Millionen Übernachtungen in Serviced Apartments den höchsten Wert, gefolgt von Berlin mit rund 1,2 Millionen. An dritter Stelle steht Hamburg mit rund 0,6 Millionen Übernachtungen in Serviced Apartments. In der relativen Betrachtung rangiert die Messestadt Hannover an erster Stelle. Hier erreicht der Anteil der Übernachtungen in Serviced Apartments an den gesamten Übernachtungen 13,2 Prozent. Auf Hannover folgt München mit einem Anteil von rund 11,1 Prozent. Nürnberg liegt mit rund 8 Prozent auf Platz 3.

Wenn Carsten Winter sein Projekt in München abgeschlossen hat, wartet schon Hamburg auf ihn. Das Vorzeigeprojekt am Kapstadtring in Hamburg-City Nord würde sich für sein Leben als Business-Nomade bestens eignen und seinen Ansprüchen entsprechen. Voraussichtlich Ende 2017 sollen die Apartments dort bezugsfertig sein. „Ein total smart vernetztes, modern und komplett eingerichtetes Apartment mit umfassendem Hotelservice direkt am Stadtpark hört sich für mich optimal an“, freut sich der IT-Experte, während er seinen Laptop schließt.

 

 

 

 

 

 

 

NEUES LEBEN FÜR EIN ALTES QUARTIER
Am Kapstadtring 1 in Hamburgs Norden schreitet die Planung voran. Bald werden in dem ehemaligen Bürogebäude hochmoderne Serviced Apartments zu finden sein.

Bild: oneView 02/2016, erschienen im Alsterspree Verlag GmbH, M. Palm, MasterboX (Visualisierung)

 

 

 

 

 

 

 

ERFOLG MIT DER APP.ARTMENT-SERIE
Die ISARIA-APP.ARTMENTS in der Münchener Schillerstraße sind teilmöbliert und begeistern Mieter, die mindestens sechs Monate bleiben wollen.

Bilder: oneView 02/2016, erschienen im Alsterspree Verlag GmbH, ISARIA Wohnbau AG