CITY NORD – EIN STANDORT AUF DER ÜBERHOLSPUR

In den vergangenen zehn Jahren wurde in der Hamburger Bürostadt gebaut, saniert und revitalisiert wie niemals zuvor.

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Foto: GIG City Nord GmbH

In taumelnder Höhe befestigen Handwerker die imposante Glasfassade des neuen Holiday Inn. Die moderne Architektur, sein elegantes Design und die Höhe machen es zum neuen Wahrzeichen der City Nord. Vor dem Portal sind wir mit der Quartiersmanagerin verabredet. Während sie ihr Fahrrad anschließt, schwärmt sie: „Schon allein der Weg hierher am Stadtpark entlang lässt ‚Central Park Feeling‘ aufkommen.“ Sylvia Soggia kommt gern mit dem Rad, besonders im Frühjahr, wenn die hohen Rhododendronbüsche blühen: „Das Farbspektakel ist einmalig!“ Heute beginnt sie ihre zweistündige Führung für zwölf zukünftige Angestellte hier im Kapstadtring 2. Die jungen Männer und Frauen recken staunend ihre Hälse. Manche erinnert das Landmark- Building mit seiner spitz zulaufenden Fassade an ein überdimensioniertes Segel, andere an das Flat Iron Building in New York.

Soggia muss schmunzeln, denn zu der ursprünglichen Idee, eine Bürostadt am grünen Stadtpark zu errichten, fühlte sich Ende der 50er-Jahre der Hamburger Oberbaudirektor Werner Hebebrand tatsächlich aus New York inspiriert. Seine Vision war es, für den Neubau überdimensionierter Verwaltungsbauten eine eigene, City-nahe und repräsentative Geschäftsstadt zu schaffen. Also realisierte er den dynamischen Wirtschaftsstandort per Wettbewerb mit renommierten Architekten wie beispielsweise Arne Jacobsen, die mit ihren Siegesentwürfen neue Maßstäbe setzten.

ALLE GEBÄUDE DER CITY NORD SIND SIEGER!

„Am besten sehen Sie gleich alles von oben!“ Soggia winkt ihre Gruppe zur Baustellenbegehung ins Hotel und wir schließen uns an. Der weitläufige Empfangsbereich geht fließend in die offene Lobby-Küche über und wird der gesamten Geschäftswelt für Business Lunches zur Verfügung stehen. „Eine Bereicherung!“

Die Gruppe teilt sich und schwebt in zwei Aufzügen in 60 Meter Höhe. Im 18. Stockwerk genießen wir den beeindruckenden Panoramablick über ganz Hamburg. Der Flughafen erscheint zum Greifen nahe. „10 Autominuten sind es bis dorthin und nur 20 bis zum Hauptbahnhof. Zudem sind wir mit einer U- und einer S-Bahn-Station sowie fünf Buslinien bestens ans öffentliche Verkehrsnetz angeschlossen“, schwärmt Soggia.

Dann lenkt sie die Blicke nördlich und westlich auf die „Architektursieger“: „Große Firmen wie beispielsweise Vattenfall, Tchibo, Allianz, EDEKA, SIGNAL IDUNA, ERGO und DEA schätzen den Standort City Nord als Firmensitz sehr.“ Das liege an der Qualität der Gebäude und ihrer Funktionalität, die eine äußerst flexible Raumplanung zulasse. Aber auch an der perfekten Lage, so Soggia. Die meisten Neubauten entstanden im Osten.

Die Vogelperspektive zeigt deutlich die Funktionstrennung von Verkehr und Fußgängern, Büro- und Erholungsflächen. Ein pulsierendes City-Leben wird hier nicht vermisst. Da ist sich die Quartiersmanagerin ganz sicher. Auf dem Weg nach draußen erwähnt Soggia abschließend, dass mit der Eröffnung des Holiday Inn im Spätsommer 2017 80 neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

30.000 MENSCHEN ARBEITEN IN DER HAMBURGER BÜROSTADT

Während Soggia mit ihrer Gruppe in Richtung „Silberling“ - einem Bürogebäude mit imposanter Glas-Metall-Fassade - weiterzieht, machen wir uns auf den Weg zum Kapstadtring 1. Direkt vis-à-vis des Holiday Inn sind wir mit dem Projektleiter Sebastian Mohr von der ISARIA Wohnbau AG verabredet.

Das schlanke Gebäude auf Stelzen glänzt edel im Sonnenlicht. Mit seiner 1960er- Jahre-Eleganz mutet es wie die Kulisse eines James-Bond-Films an. Der Eindruck hält sich auch im Foyer, als uns Mohr zeigt, was gerade sorgfältig abgedeckt ist: weißer Marmor als Bodenbelag und dunkles Palisanderholz an den Wänden. „Solche edlen Materialien haben Seltenheitswert!“, schwärmt Mohr und streicht wertschätzend über das schöne Holz. Das gesamte Gebäude steht unter Denkmal- und Ensembleschutz – laut Projektleiter Mohr für die Revitalisierung eines Gebäudes immer „Fluch und Segen“ zugleich. Denn die Abstimmungsschleifen mit Behörden fordern viel Geduld und Energie. „Aber der Aufwand für ein so optisch herausragendes ‚Leuchtturmprojekt’ zahlt sich aus“, so Mohr.

Zur heutigen Bauleitungsbesprechung trifft sich Mohr mit dem Bauleiter von Mevius und Mörker Architekten. Er möchte sich davon überzeugen, wie weit die Gewerke gekommen sind. „Es sieht gut aus!“, konstatiert er. „Der Anschluss der Fassadenelemente ist gut ausgeführt.“ Da genügend Material auf der Baustelle vorhanden ist, kann die Arbeit durch mehr Personal verstärkt werden, um sogar noch vor dem Terminplan fertig zu sein.

Auf die Frage, wie die ISARIA Wohnbau AG darauf gekommen ist, in der City Nord möblierte Wohnungen, sogenannte Serviced Apartments, zu bauen, lacht Mohr: „Es war die tolle Lage. Die City Nord ist für viele Firmen und Arbeitnehmer ein interessanter Standort.“ Und da die Zielgruppe für die hochwertig ausgestatteten Serviced-Apartments von 24 bis 38 Quadratmetern eben keine Geheimagenten sind, sondern ganz normale Angestellte, die eine Zeit lang in Hamburg zu tun haben, gilt die Nachfrage sogenannter Long-Stayer als gesichert.

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Grafik: oneView 1.2017, Alsterspree Verlag

Schon allein, weil zahlreiche Unternehmen in der Nachbarschaft die Möglichkeit nutzen werden, dass ihre Angestellten dort einchecken können. Die Apartments sind alle geschmackvoll möbliert und teilweise mit einer kleinen Küche ausgestattet. Im Erdgeschoss fördern eine Gemeinschaftsküche, ein Fitnessstudio und ein Billardzimmer das Leben nach Feierabend. Sind die Mieter der Apartments nach einem langen Arbeitstag erledigt, können sie beim virtuellen Concierge in ihrem Hamburger Lieblingsrestaurant bestellen und das Essen wird prompt geliefert. Ohne Verträge können die Long-Stayer ihre Apartments ab Frühjahr 2018 einfach buchen anstatt zu mieten. Dazu gehört auch der denkmalgeschützte, stylische Gartenpavillon, der für Events, Vorträge und Tagungen genutzt werden kann.

Inzwischen ist es Mittagszeit, und viele der hier Arbeitenden verlassen ihre Büros. Mütter holen ihre Kinder aus den Kitas ab und die Gastronomie im Quartier zieht die Hungrigen an. Wir sind jetzt am Überseering mit Uwe Mohrmann, dem Chef von Vattenfall Facility Management, im hauseigenen Restaurant verabredet. „Wenn Sie jetzt mit einer 08/15-Kantine rechnen, liegen Sie total daneben“, begrüßt uns der gut gelaunte Chef. Das Restaurant liegt zwar im Souterrain, ist aber eingebettet in offene Pausen- und Wintergärten und dadurch hell und freundlich.

Wie es ist, in einem Architekturdenkmal zu arbeiten, fragen wir. Mohrmann zögert kurz und schmunzelt dann: „Wenn man ein Freund dekorativer Ornamente und Büropflanzen ist, dann muss man sich wohl erst an das Schlichte gewöhnen.“ Denn Architekt Arne Jacobsen legte sehr großen Wert auf Funktion. Seine Büroräume wirken sehr nüchtern, lassen sich aber durch flexible Wände variieren. Dennoch sei eine angenehme Atmosphäre entstanden, findet Mohrmann: „Ich fühle mich hier sehr wohl! Ich arbeite seit 1990 in dem denkmalgeschützten Haus und habe es seitdem technisch laufend modernisiert.“

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Kapstadtring 1 - Visualisierung: Mevius-Moerker-Architekten

WOHNEN MIT HISTORISCHEM FLAIR

Die ISARIA Wohnbau AG bietet attraktives „Wohnen auf Zeit“ im Prestigeobjekt.

In neuem Glanz wird bald auch der Kapstadtring 1 erstrahlen. Die Adresse bezeichnet das älteste Gebäude in der City Nord. Bereits im November 1964 wurde hier die Baugenehmigung erteilt. Peter Neve und Herbert Sprotte waren die ausführenden Architekten. 1966 zog die Claudius Peters AG an den Kapstadtring und hatte hier ihren Stammsitz bis 1987. Dann verlegte das Landgericht seinen Sitz dorthin, ihm folgte nach dem Verkauf 1999 im Jahr darauf das Sozialgericht. Seit 2008 stand das zwölfgeschossige Gebäude leer und wartete jahrelang auf seine Revitalisierung. Das ehemalige Prestigeobjekt ist 40,5 Meter hoch und verfügt über eine Büronutzfläche von 6.673 Quadratmetern. Die ISARIA Wohnbau AG erkannte das Potenzial des nur zwölf Meter breiten und damit sehr schlanken Objekts. Unter strengen Auflagen des Denkmal- und Ensembleschutzes entwickelte das Team der ISARIA die Ausgestaltung des Gebäudes als Serviced Apartments. Mit 155 Kfz-Stellplätzen und einer Fünf-Minuten-Distanz zum Stadtpark und zum Flughaften bietet das Objekt Top-Bedingungen.

DIE CITY NORD GLÄNZT DURCH ENERGIEEFFIZIENTES GEBÄUDEMANAGEMENT

Der nachhaltige, schonende Umgang mit Ressourcen steht über allem. „Wir nutzen die Abwärme der Rechenzentren; wir verwenden das Drainagewasser zur Kühlung des Küchenbereichs und anschließend für unsere WC-Spülungen. Damit sparen wir jährlich rund sieben Millionen Liter Trinkwasser ein“, erläutert Mohrmann präzise. Und das sind nur einige effiziente Ansätze. Es gibt wesentlich mehr: Die langen Flure werden von LED Lampen beleuchtet, die über Bewegungsmelder gesteuert werden, also immer nur bei Bedarf Licht geben. Seit über 15 Jahren versorgt eine hoch effiziente Klimaanlage die Räume mit 100 Prozent Frischluft. Damit senkt die Hamburger Vattenfall- Zentrale den Energieverbrauch um bis zu 40 Prozent.

Diesem Beispiel folgen auch andere Unternehmen in der City Nord, die auf intelligente Gebäudeleittechniken setzen. Wir fragen, ob das der Grund dafür ist, dass die City Nord zurzeit eine Verjüngungskur erlebt. Denn im Gegensatz zu den Leerständen Mitte der 1990er-Jahre sind aktuell kaum noch mietfreie Flächen zu haben. „Baulich und technisch hat die City Nord sich erneuert, aber ein Quartier ändert sich nicht durch Technik allein, sondern auch durch die Art der Nutzung“, erklärt der Facility Manager.

"Immer mehr Unternehmen der City Nord
setzen auf intelligente Gebäudeleittechnik."

DAS QUARTIER IST STATE OF THE ART FÜR DEN „NEW WAY OF WORKING“

In Zeiten des Homeoffice sei ein großes Büro auch für den Chef kein Statussymbol mehr. Worauf es immer mehr Unternehmen ankomme, sei die ergebnisorientierte Arbeit, so Mohrmann. „Wir analysieren Tätigkeiten und Abläufe und reagieren darauf mit einer adäquaten Arbeitsumgebung: Neben konventionellen Arbeitsplätzen entstehen Zonen für vertrauliche Gespräche, Konferenzbereiche, Pantrys für den informellen Austausch, Pausenecken mit WLAN oder auch mal mit einem Kicker.“ Fast alle Unternehmen in der City Nord gestalten ihre Flächen um für den „New Way of Working“, stellt der entwicklungsbegeisterte Chef zufrieden fest.

Dieser Artikel ist erschienen in oneView 1.2017, Alsterspree Verlag. 

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